Wollkleidung waschen
Dass Wolle ein besonderes Naturprodukt ist, ist allgemein bekannt. Eine ihrer außergewöhnlichsten Eigenschaften ist ihre natürliche Selbstreinigungskraft. Doch wie funktioniert das eigentlich?
Eine Wollfaser besitzt einen einzigartigen Aufbau. Unter dem Mikroskop erkennt man, dass ihre Oberfläche aus winzigen Schuppen besteht, die sich mit Dachziegeln auf einem Haus vergleichen lassen. Durch die Reibung dieser dachziegelartig angeordneten Schuppen wird Schmutz gewissermaßen an die Oberfläche gedrückt. Dadurch dringt Schmutz weniger tief in die Wollfaser ein.
Darüber hinaus enthält Wolle von Natur aus Lanolin (Wollfett). Dieses wird von den Talgdrüsen des Schafes produziert und bildet einen dünnen Schutzfilm um die Faser. Dadurch werden Wasser und Schmutz weniger leicht aufgenommen. So bleibt Wolle länger sauber und frisch als viele andere Materialien.
Wolle hält unangenehme Gerüche fern
Wenn Sie schwitzen, entsteht oft schnell ein unangenehmer Geruch. Kaum zu glauben, aber wahr: Schweiß selbst riecht nicht. Erst wenn er mit den Bakterien auf unserer Haut in Kontakt kommt, entstehen unangenehme Gerüche. Die natürlichen Eiweiße in der Wollfaser helfen dabei, diese Bakterien abzubauen. Deshalb nimmt Wollkleidung Gerüche deutlich langsamer an.
Oft reicht Lüften völlig aus
In vielen Fällen genügt es, Ihre Wollkleidung einfach über Nacht zu lüften. Hängen Sie Ihren Pullover oder Ihre Strickjacke nach dem Tragen an einem trockenen Tag draußen oder in einem gut belüfteten Raum auf. Während des Lüftens verschwinden viele Gerüche von selbst und die Fasern geben die aufgenommene Feuchtigkeit wieder an die Umgebung ab.
Wenn Sie Wollkleidung häufiger lüften und seltener waschen, verlängern Sie ihre Lebensdauer. Gleichzeitig sparen Sie Wasser, Energie und Waschmittel.
Ein Fleck bedeutet übrigens nicht automatisch, dass das gesamte Kleidungsstück gewaschen werden muss. In vielen Fällen reicht es aus, die betroffene Stelle gezielt zu behandeln. Das ist sogar schonender für die Wolle, da unnötige Waschgänge vermieden werden.
Tupfen statt reiben
Ist etwas verschüttet worden? Tupfen Sie den Fleck möglichst schnell vorsichtig mit einem sauberen Tuch oder Küchenpapier trocken. Reiben Sie den Fleck nicht. Durch die Reibung können die Wollfasern beschädigt werden oder verfilzen, wodurch der Fleck noch tiefer in die Faser eindringt.
Lauwarmes Wasser verwenden
Viele kleine Flecken lassen sich mit einem feuchten Tuch und etwas lauwarmem Wasser entfernen. Ist der Fleck danach noch sichtbar? Verwenden Sie eine kleine Menge Wollwaschmittel und behandeln Sie ausschließlich die verschmutzte Stelle. Spülen Sie anschließend vorsichtig mit klarem Wasser nach und lassen Sie das Kleidungsstück liegend trocknen.
Wollkleidung in der Waschmaschine waschen
Viele Menschen glauben, dass Wollkleidung ausschließlich von Hand gewaschen werden darf. Heute ist das jedoch längst nicht mehr immer der Fall. Viele Wollkleidungsstücke – insbesondere Kleidung aus Merinowolle – können problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden.
Gehen Sie dabei wie folgt vor:
Schritt 1. Pflegeetikett kontrollieren
Auf dem Pflegeetikett ist genau angegeben, ob das Kleidungsstück für die Maschinenwäsche geeignet ist oder ausschließlich von Hand gewaschen werden darf. Sind Sie unsicher? Entscheiden Sie sich für die Handwäsche. Das ist immer die schonendste Wahl.
Schritt 2. Das Kleidungsstück auf links drehen
Wenn Sie einen Pullover oder eine Strickjacke auf links waschen, schützen Sie die Außenseite vor unnötigem Verschleiß. Schließen Sie außerdem Reißverschlüsse und Knöpfe. So verhindern Sie, dass andere Kleidungsstücke oder der Reißverschluss selbst die Wollfasern beschädigen.
Schritt 3. Einen Wäschesack verwenden (optional)
Bei feiner Merinowolle oder dünnen Strickwaren bietet ein Wäschesack zusätzlichen Schutz. Dadurch reibt das Kleidungsstück weniger an der Trommel und bleibt länger schön.
Schritt 4. Das richtige Waschprogramm wählen
Verwenden Sie immer:
- das Wollprogramm;
- oder ein Feinwaschprogramm, wenn Ihre Waschmaschine kein Wollprogramm besitzt.
Stellen Sie die Temperatur auf maximal 30 °C ein und wählen Sie eine niedrige Schleuderdrehzahl.
Schritt 5. Die Kleidung sofort aus der Maschine nehmen
Lassen Sie nasse Wollkleidung niemals stundenlang in der Waschmaschine liegen. Je länger Wolle feucht zusammengefaltet bleibt, desto größer ist die Gefahr von Knitterfalten und Verformungen. Nehmen Sie das Kleidungsstück deshalb direkt nach Programmende aus der Maschine.
Wollkleidung von Hand waschen
Manche Wollkleidungsstücke sind empfindlicher oder locker gestrickt. In diesem Fall ist die Handwäsche die sicherste Wahl. Zum Glück dauert sie nur wenige Minuten.
Schritt 1. Eine Schüssel mit lauwarmem Wasser füllen
Verwenden Sie Wasser mit einer Temperatur von etwa 30 °C. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht zu warm ist. Große Temperaturunterschiede können dazu führen, dass die Wollfasern verfilzen.
Schritt 2. Etwas Wollwaschmittel hinzufügen
Lösen Sie das Wollwaschmittel zunächst im Wasser auf, bevor Sie das Kleidungsstück hineingeben. So verteilt sich das Waschmittel gleichmäßig.
Schritt 3. Das Kleidungsstück vorsichtig im Wasser bewegen
Reiben oder schrubben Sie die Wolle nicht. Drücken Sie das Kleidungsstück sanft unter Wasser und bewegen Sie es vorsichtig hin und her. Lassen Sie es anschließend etwa fünf bis zehn Minuten einweichen.
Schritt 4. Gründlich ausspülen
Spülen Sie die Wolle mit sauberem Wasser aus, das ungefähr die gleiche Temperatur hat. Dadurch vermeiden Sie plötzliche Temperaturunterschiede, die die Fasern beschädigen können.
Schritt 5. Nicht auswringen
Dies ist vielleicht der wichtigste Schritt. Wringen Sie einen Wollpullover oder eine Strickjacke niemals aus. Durch das Auswringen dehnen sich die Fasern und das Kleidungsstück kann seine ursprüngliche Form verlieren. Drücken Sie überschüssiges Wasser stattdessen vorsichtig heraus oder rollen Sie das Kleidungsstück in ein sauberes Handtuch. Das Handtuch nimmt einen Großteil der Feuchtigkeit auf, ohne die Wollfasern zu beschädigen.